Ann Kristin Mundt – 29 Jahre – wird Nachfolgerin von Paul-Gerhard Meißner. Am 16. Juni um 15 Uhr wird die junge Theologin in der Stiftskirche Bücken ordiniert und stellt sich der Gemeinde als neue Pastorin vor. Das hat der Kirchenkreis Syke-Hoya mitgeteilt.

Geboren in Heeslingen (Rotenburg/Wümme) und aufgewachsen in einer aktiven christlichen Familie, sei für Mundt der Berufswunsch schon früh klar gewesen: „Ich ging in den Kindergottesdienst, zur Jungschar und wuchs in die Gemeinde rein, wie das in gut funktionierenden Kirchengemeinden halt so war. Für Mission interessierte ich mich ganz besonders.

Mit 16 war es noch mein Ziel, in die Auslandsmission zu gehen. Ich musste aber bald feststellen, dass ich kein Talent für Fremdsprachen habe. Spanisch und Englisch lagen mir nicht so. Mit Latein bin ich besser zurechtgekommen, fürs Studium musste ich noch Hebräisch und Griechisch lernen. Ich kann also drei ,tote‘ Sprachen, mit denen ich im Ausland nicht viel machen kann. Ich wollte aber trotzdem in den vollzeitlichen Dienst gehen. Also entschied ich mich, in die Inlandsmission zu gehen – ins Pfarramt.“

Sie machte Abitur in Zeven, studierte in Krelingen, Mainz, Greifswald und Tübingen. Ihr Vikariat absolviert sie derzeit noch in Wittmund. „Was ich überall gleich gemacht habe: Ich bin dem Posaunenchor beigetreten“, erzählt die 29-Jährige. „Ich spiele Trompete, und wo sonst lernt man die Einheimischen besser kennen? Das Studium ist eine Blase. Im Posaunenchor fühlte ich mich immer sofort mitten im Leben.“

Inhaltlich hätten sich die beruflichen Stationen allerdings stark unterschieden: „Am lehrreichsten war für mich die Zeit in Greifswald. In Ostdeutschland wird Kirche bis heute ganz anders wahrgenommen. Die Gemeinden in der Stadt müssen sich anstrengen, um überhaupt gesehen zu werden. Anders ist die Situation in den Plattenbauvierteln. Dort hat die Kirchengemeinde vielfach jegliche Relevanz für das Leben der Menschen verloren.“

Auf einer Fahrradtour durch die Umgebung von Greifswald habe sie plötzlich vor einem baufälligen Gotteshaus mit zugenagelten Fenstern gestanden, erinnert sich die 29-Jährige. Der Friedhof um die Kirche herum sei mit Efeu und Gestrüpp überwuchert, nur ein einziges Grab war gepflegt und mit Blumen bepflanzt gewesen. „Eindrücke wie diese haben mich zum Nachdenken gebracht und mich motiviert, noch mal ganz neu zu denken und Antworten zu finden auf die Fragen: Kirche, was bist Du eigentlich? Wo bist Du? Was kannst Du? Und wo ist heute noch Deine Berechtigung?“

Ann Kristin Mundt habe Antworten gefunden. Und sie wolle weiter auf der Suche danach bleiben. Ideen habe sie genug. „Ich wollte nicht Pastorin werden, weil ein Pastor im Dorf noch ein Standing hat und der soziale Held im Ort ist. Mir hat mein Glaube entscheidende Erlebnisse und Erfahrungen gebracht. Ich habe daraus so viel für mich selbst und für mein Leben gezogen, dass ich davon überzeugt bin: Es geht etwas ganz Wichtiges für die Gesellschaft verloren, wenn die Kirche an Relevanz verliert.“

Die Volkskirchlichkeit im Westen sehe sie „als ganz großen Schatz: „Aber ich gebe mich nicht damit zufrieden, dass wir sie hier noch haben. Zum Beispiel in der Arbeit mit Kindern und Familien will ich mich nicht auf die Klassiker verlassen. Ich finde die Idee interessant, aus dem Wettbewerb um den Sonntagmorgen auszusteigen und neue Angebote zu finden, die für alle interessant und machbar sind: Für Kinder, Jugendliche, Eltern, Großeltern, Paten, Freunde – für alle, die zum Familienkonzept dazugehören“, sagt sie: „Mich begeistern Formen, die versuchen, noch mal auf eine andere Art miteinander über Glauben ins Gespräch zu kommen.“


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Bild: Miriam Unger